Spanien und hier wieder ganz besonders Andalusien, ist das Land der ferias und fiestas – eine Reise ohne Teilnahme an einem dieser vor Lebensfreude überschäumenden Feste wäre nicht komplett. Ihre Zahl geht in die Tausende, feiert doch schon jedes Dorf einmal jährlich seinen Schutzpatron; und je nach Region und Anlass zeigen sie sich völlig unterschiedlich. Wein, Tanz, Musik und viel, viel Spaß fehlen jedoch nie.
 
 



Ferias
entwickelten sich aus traditionellen Jahrmärkten zu allgemeinen Volksfesten, die nur teilweise noch einen Bezug zur Vergangenheit haben, aber immer ein erlebenswertes Ereignis sind. Oft sind sogenannte casetas aufgebaut: Zelte oder Boxen, die Vereinen gehören oder von Familien gemietet sind, im ersten Fall meist frei zugänglich – der Verkauf von Essen und Getränken bessert die Vereinskasse auf. Die bekannteste und größte feria Andalusiens ist die Feria de Abril von Sevilla.

Fiestas
sind religiösen Ursprungs, doch spielt das weltliche, lustbetonte Element immer auch eine Rolle – spätestens nach der Prozession oder der Messe quellen die Bars über, wird gefeiert bis in den Morgen. So auch in der eigentlich als eher düster vermutenden Karwoche Semana Santa („Heilige Woche“). Die bekanntesten Feierlichkeiten zur Semana Santa finden in Sevilla statt; doch feiern alle andalusischen Städte die Karwoche aufs prächtigste. Damit nicht genug: neben der Semana Santa existieren noch eine ganze Reihe ebenso reizvoller Großereignisse und zahllose unbekanntere und deshalb zumindest ursprünglichere Festivitäten.

Romerias
nennen sich in Spanien Wallfahrten zu einer oder einem Schutzheiligen. Die größte Wallfahrt Europas findet zu Pfingsten statt und führt zu dem winzigen andalusischen Dörfchen El Rocio (Provinz Huelva): Bis zu einer Millionen Menschen nehmen an dieser farbenprächtigen und ausgelassenen romeria teil.

Moros y Cristianos sind eine besondere Art von Festspielen, die in Form stilisierter Kämpfe zwischen Mauren („moros“) und Christen („cristianos“) an die Zeit der Christlichen Rückeroberung, der Reconquista, erinnern. Aufführungen von „moros y cristianos“ finden in vielen Regionen Südspaniens statt, besonders auffällig im Gebiet Murcia und Valencia.

 
 

Andalusische Hauptfeste

Carnaval
( Karneval, Fasching ), unter Franco wegen antikonservativer Gesinnung der Feiernden verboten, heute wieder bunt und ausgelassen wie eh und je. Mit die peppigsten Umzüge Spaniens finden in Cadiz statt.

Semanta Santa ,
die Karwoche, zählt zu den buntesten Festen Andalusiens, prächtige Prozessionen allerorten. Vielgepriesen ist die Semana Santa von Sevilla. Herausragend aber auch die Feiern in Alhaurin el Grande ( Almeriea; Passionsspiele an Gründonnerstag und Karfreitag), Baeza (Jaen), Coin (Malaga), Riogordo (Malaga; Passionsspiele an Karfreitag und Ostersamstag, Hunderte von Darstellern), Arcos de la Frontera (Cadiz) und Baena (Cordoba), wo beim Trommelwettbewerb tamborada alle Ohren aufs äußerste strapaziert werden.

Feria de Abril ,
in Sevilla. Sie beginnt in der Nacht von Montag auf Dienstag, zwischen dem 15. und dem 21. April und endet in der folgenden Samstagnacht. Ein Riesen-Frühlingsfest mit Hektolitern von Sherry, festlich gewandeten Reitern, Familienzelten etc.

Cruces de Mayo und Fiesta de Patios ,
erste Maihälfte in Cordoba. Aufeinanderfolgende Wettbewerbe der schönsten Blumenkreuze und der schönsten Innenhöfe (patios); bei letzterem sind die patios ausnahmsweise öffentlich zugänglich.

Feria del Caballo ,
Fest des Pferdes; zweite Maiwoche in Jerez de la Frontera. Für Pferdefreunde ein „Muss“; mit üppigem Beiprogramm jedoch auch für diejenigen interessant, die Pferden eigentlich nichts abgewinnen können.

Feria de Mayo ,
letzte Maiwoche in Cordoba; das Pendant zur Aprilferia von Sevilla.

Romeria el Rocio ,
Pfingsten, neben der Semana Santa von Sevilla das berühmteste Fest Andalusiens. Eine mehrtägige Wallfahrt zum Örtchen El Rocio in der Mündungsebene des Guadalquivir.

Corpus Christi ,
Fronleichnam, der zweite Höhepunkt im kirchlichen Festkalender. Jedes kleine Dorf feiert; Zentren der Prozession sind jedoch Granada, Cordoba und Sevilla.

Dia de San Juan
(23./24. Juni), in vielen Orten Mittsommernachtfest, das wirklich die ganze Nacht hindurch geht; große Feuerwerke.

La Virgen de la Asuncion ,
Mariä Himmelfahrt am15. August, überall in Andalusien ebenso gefeiert wie im Rest Spaniens.

Cascamorras
(Cascaborras), 6. September, ungewöhnliche Wallfahrt von Guadix nach Baza (Granada). Die Einwohner Bazas wehren sich auf kuriose Weise gegen den Einzug des „Casacamorras“ und seiner Begleitung, um so die Abgabe eines Heiligenbildes zu verhindern.

Fiestas de Pedro Romero ,
erste Septemberhälfte in Ronda (Malaga). Fest zu Ehren des größten Stierkämpfers aller Zeiten (wie zu mindestens die Einwohner sicher sind), in und um die älteste Arena Spaniens; Corridas in historischen Kostümen, Flamenco.